Licht

Die Lichtverhältnisse spielen beim Thema (Zimmer-)Pflanzen natürlich generell eine wichtige Rolle. Die Lichtintensität entscheidet maßgeblich darüber, ob und wie gut eure Sukkulenten wachsen! Man könnte auch sagen: Licht ist der beste Dünger.
Folgende vier Faktoren werden im Verlauf dieser Seite erklärt:

  • Lichtintensität – Lux
  • Himmelsrichtung
  • Entfernung zum Fenster
  • Artenspezifische Anforderungen

Wofür benötigen Pflanzen eigentlich Licht?

Licht ist wie Nahrung für Pflanzen, denn ohne Licht wachsen sie kümmerlich, unnatürlich oder gehen im schlimmsten Fall ein. Sukkulenten haben in ihrer Heimat meist ganztägige Sonneneinstrahlung, also einen hohen Bedarf an Licht.

Blätter einer Baumkrone mit unscharfem Hintergrund. Oben mittig im Bild ist der Lichtkegel der Sonne zu sehen, der teilweise durch Äste und Blätter blockiert wird.
Gedämpftes Sonnenlicht

Stichwort: Photosynthese. Ich bin kein Biologe, von daher kann ich euch den Begriff nur laienhaft erklären. Kurz gesagt: Photosynthese kurbelt den Stoffwechselvorgang bei Pflanzen an und benötigt dazu Wasser, Kohlendioxid und Licht. Nachlesen könnt ihr dies genauer hier, ein kurzer Artikel auf focus.de.

Blick in die Physik

Im Internationalen Einheitensystem (SI) wird die Lichtintensität/ Beleuchtungsstärke als Lux bezeichnet und mit verschiedenen Verfahren messbar gemacht.

Ein gängiges, wenn auch altmodisches, Werkzeug dazu nennt man Luxmeter. Solche Geräte sind in der Regel ähnlich aufgebaut: man hat zum einen das Gerät selbst mit Display und verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten, zum anderen einen Sensor. Dieser ist entweder per externem Kabel an das Gerät angeschlossen oder – meist bei kleineren Geräten – direkt verbaut. Hier ein Beispiel auf Amazon:


Der Sensor misst die Belichtungsstärke, also die Intensität des Lichtes, das auf den Sensor trifft. Sinnvoll ist das Gerät auch für uns Hobby-Botaniker, da man mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann, wie es sich mit den Lichtverhältnissen in der eigenen Wohnung verhält.

TIPP: Fürs Smartphone gibt es zum Glück eine kostenlose Variante für die Sparfüchse unter uns. Die App namens Physics Toolbox Sensor Suite (Android | Apple) misst verschiedene physikalische Einheiten mithilfe der im Smartphone verbauten Sensorik, darunter auch Lux. Leider sind die Ergebnisse nicht immer 100% aussägekräftig, aber es ist eine gute Annäherung.

Sonnen- und Schattenseiten

Der erste Blick den wir investieren sollten, ist der auf den Kompass. Wie ihr vermutlich wisst gibt es die vier Himmelsrichtungen – Nord, Ost, Süd und West. Beim Thema Licht spielen diese vier Himmelsrichtungen eine wichtige Rolle.

Das Bild zeigt einen Kompass inmitten eines Wohnraums aus der Vogelperspektive. In verschiedenen Textfeldern wird erklärt, welchen Einfluss Süd, Ost, West und Nord auf den Lichteinfall durch die Fenster haben.
Wie sich die Himmelsrichtung auf die Belichtung in eurer Wohnung auswirkt. Quelle: Pflanzenfreunde.com

Anhand dieser Grafik bekommt ihr schonmal einen guten Überblick darüber, wie es sich mit den Lichtverhältnissen in eurer Wohnung verhält. Nehmt also einen Kompass zur Hand und überprüft, in welche Richtung eure Fenster zeigen.
Zusammengefasst:

  • Südseite – ganztägig gute Lichtverhältnisse, hohe Intensität
  • Westseite – gute Lichtverhältnisse ab dem Nachmittag bis zum Abend
  • Ostseite – gute Lichtverhältnisse ab dem frühen Morgen bis etwa mittags
  • Nordseite – ganztägig schwache Lichtverhältnisse

Wie die Grafik auch zeigt müsst ihr zudem darauf achten, ob das Licht durch irgendwelche Hindernisse gebrochen wird. Bei meinem Balkon beispielsweise, der Richtung Osten zeigt, befindet sich rechts ein Mauervorsprung, der ab dem späten Vormittag einen Teil der Sonne bereits abblockt. Wenn ihr aus dem Ostfenster blickt reist die Sonne quasi von links nach rechts.

Sonnige Plätze sind rar

Schmales Pflanzregal aus Metall, das auf eine Fensterbank gestellt wurde.
Die ultimative Platzlösung für Leute mit chronischem Fensterbank-Platzmangel. Das Regal ist auf Amazon momentan leider nicht mehr verfügbar.

Die sonnigsten Plätze in eurer Wohnung befinden sich also am Südfenster, wenn ihr eines habt. Solche Fensterbänke haben ganztägig ausreichend Sonnenlicht und sollten daher für eure lichthungrigen Sukkulenten reserviert sein. Aber Vorsicht, zu viel pralles Sonnenlicht mögen manche Arten auch nicht!

In meiner Wohnung beispielsweise habe ich leider kein Südfenster – dafür zwei in Richtung Osten und zwei in Richtung Westen. Das heißt, dass die Pflanzen am Ostfenster morgens am meisten Sonne bekommen, die am Westfenster erst ab Nachmittag.

Wenn die Plätze sehr rar sind und ihr trotzdem mehr Platz für eure Sukkulenten schaffen wollt, so könntet ihr über eine Fensterbank-Erweiterung nachdenken. Alternativ gibt es auch kleinere, schmale Pflanzregale, die auch auf eine kleine Fensterbank passen. So hab ich es für meine winzige Fensterbank im Wohnzimmer gelöst.

Nähe zum Fenster

Wenn Ihr eure Pflanzen in der Wohnung haltet gibt es jedoch noch einen weiteren entscheidenden Faktor, den man keinesfalls außer Acht lassen sollte. Für unser Auge ist es kaum erkennbar, aber sobald man sich vom Fenster wegbewegt, sinkt auch gleichsam die Belichtungsintensität. Wenn man direkt am Fenster steht, also in unmittelbarer Nähe, ist der Lux-Wert am höchsten.
Geht man bloß einen Meter vom Fenster weg, so sinkt der Wert drastisch.

Aber Vorsicht: Im Sommer, wenn hohe Temperaturen herrschen und die Sonne ordentlich scheint, kann es ziemlich heiß in direkter Nähe eures Fensters werden. Achtet also darauf, dass die Pflanzen nicht direkt an der Scheibe stehen. Im Winter ist dies ebenfalls ein Faktor, wenn das Fenster durch die Außentemperaturen extrem abkühlt.

Im damaligen Zimmer, in dem ich meine Pflanzen gehalten habe, hatte ich leider nur ein Fenster zur Verfügung. Kein Problem, dachte ich mir. Ich habe die sonnenhungrigsten Sukkulenten direkt aufs Fensterbrett gestellt, alle anderen sind verteilt worden auf zwei Pflanzregale, teilweise 1 ½ m vom Fenster entfernt.
Das war leider ein Schuss in den Ofen 🙁

Worst case: Vergeilung

Wie gesagt, mit dem Auge erkennt man es kaum, aber die Belichtungswerte sinken rapide wenn man sich bloß einen Meter vom Fenster entfernt. Das Resultat habe ich dann leider im Winter erleben müssen, als die Lichtverhältnisse durch fehlende Sonnenstunden sowieso schon geringer waren.

Ein Großteil meiner Echeverien sind im Winter vergeilt. Das heißt, dass die Pflanzen sich extrem in die Höhe gestreckt haben um sich der Sonne anzunähern. Das sah leider sehr unschön aus und ich musste im Frühjahr Konsequenzen ziehen.
Viele der betroffenen Pflanzen musste ich im Anschluss köpfen/ kürzen, also den oberen, gesunden Teil der Pflanze abtrennen um quasi von neu zu starten. Das kann sinnvoll sein um erneut gesundes Wachstum zu ermöglichen.

Artenspezifische Anforderungen

Die meisten sukkulenten Pflanzen sind sehr sonnenhungrig. Exemplarisch dafür steht die Familie der Echeverien, wo es keine Unterart gibt, die auf Dauer ohne viel Sonne auskommt.
Je mehr Sonne, desto kräftiger die Färbung der Blätter und desto dichter das Wachstum.

Gut seht ihr diesen Effekt auch bei der Gattung Crassula, besonders beim allseits bekannten Geldbaum/ Pfennigbaum – Crassula ovata.
Normalerweise sind die Blätter kräftig grün gefärbt – sind sie längere Zeit intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt, so färben sich die Blätter rot:

Bromelien andererseits, von denen auch viele Arten sukkulente Eigenschaften aufweisen, mögen kein direktes Sonnenlicht aber einen hellen Standort. Orchideen geht es ähnlich, sie fühlen sich sogar an den belichtungsarmen Nordfenstern am wohlsten.

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