Blattstecklinge – Leaf propagation

Die allgemeine Definition von Blattsteckling und der konkreten Anwendung im Bereich Sukkulenten sind etwas verschieden. Bei Aloen, Haworthien oder Zamiocultas wird die eigentliche Methode angewendet. Das heißt: Blatt schräg in Erde pflanzen und mit der Zeit bilden sich Wurzeln. Wenn man bei Sukkulenten über Blattstecklinge spricht, im Englischen auch leaf propagation, so meint man eher die Art von Blattstecklingen im Falle von Echeverien. Der englische Begriff beschreibt es so gesehen genauer, die Vermehrung über Blätter; im Deutschen ist mir kein genauerer Begriff dafür bekannt.

Zu sehen ist Eine meiner Blattstecklings-Schalen. Die Blattstecklinge befinden sich in unterschiedlichen Stadien.
Eine meiner Blattstecklings-Schalen.

Bei Sukkulenten sind Blattstecklinge eine der beliebtesten Möglichkeiten zur vegetativen Vermehrung. Vom Prinzip her ist die Methode denkbar einfach: Blatt abreißen oder heruntergefallene Blätter aufsammeln, auf Erde legen und warten.

Tatsächlich gibt es natürlich einige Faktoren, die zum Erfolg verhelfen können. Es gibt viele Ansichten zu dem Thema und im Grunde wird euch vermutlich jeder etwas anderes empfehlen. Wie bei allen Themen gilt: Probieren geht über Studieren.

Geeignete Arten für Blattstecklinge

Generell eignen sich blattsukkulente Arten am besten; das heißt Arten, die Wasser in ihren Blättern speichern. Am beliebtesten sind Blattstecklinge bei der Gattung Echeveria, da diese mit am einfachsten zu vermehren sind und man wenig falsch machen kann. Artverwandte Pflanzen wie etwa Graptopetalum oder Sedum eignen sich ebenfalls.

Bei Crassula und Aloen würde man, wie oben bereits erwähnt, nicht von Blattstecklingen sprechen, sondern von gewöhnlichen Stecklingen. Zwar sind diese auch blattsukkulent, die Methodik und die Wachstumsgewohnheiten unterscheiden sich jedoch von denen der Echeverien und co.

Bei diesen Arten würde man die Stecklinge wirklich in Substrat setzen oder versuchen sie in Wasser zu bewurzeln. Mehr dazu bald im Sukkulenten-ABC unter Stecklinge und water propagation.

Auswahl der Blätter

Gehen wir zunächst davon aus, dass ihr Blattstecklinge von Echeverien machen möchtet. Im ersten Schritt würdet ihr also ein Exemplar aussuchen, von dem ihr ein paar Blätter entbehren könnt. Achtet darauf, dass es vitale/ unbeschädigte Blätter sind, groß genug und nicht gerade frisch gewachsen. Je gesünder die Blätter, desto höher die Erfolgschancen.

Im nächsten Schritt versucht ihr die entsprechenden Blätter vorsichtig vom Stamm der Mutterpflanze abzudrehen. Fasst das Blatt möglichst nahe zum Stamm an, sonst besteht die Gefahr, dass der Blattstamm abknickt und der Steckling ist nutzlos.

Wenn ihr das Blatt vorsichtig dreht sollte es sich relativ leicht vom Stamm ablösen. Überprüft im Anschluss nochmal ob die Abrissstelle sauber und unversehrt ist.

Ablageort

Nun kommt ein Punkt wo sich die Geister unter Sukkulenten-Freunden scheiden. Ich erzähle zunächst meine Herangehensweise, erzähle dann aber auch noch welche Alternativen es gibt.

Nachdem ihr also eine kleine Sammlung von Blattstecklingen habt gilt es nun ein passendes „Bett“ zu gestaltet. Prinzipiell ist es recht einfach, sie sollten auf Erde liegen. Ich nehme meistens eine größere Anzuchtschale, fülle diese mit Erde und platziere die Blätter oben drauf. Fertig.

Alternativ kann man die Blattstecklinge aber auch, in der Theorie zumindest, in Wasser bewurzeln. Habe ich selbst noch nicht probiert, würde ich aber gerne mal tun. Auf Instagram sehe ich in letzter Zeit viele Leute, die dafür z.B. Reagenzgläser benutzen. Sieht dann natürlich auch ganz stylisch aus.

Licht & Feuchtigkeit

Dieser Punkt ist etwas kniffliger zu beantworten. Ich hatte meine Schalen über Monate in einer ziemlich schattigen Ecke stehen und die Blattstecklinge sind trotzdem sehr gut gewachsen. In der Natur fallen auch gelegentlich Blätter der Sukkulenten ab und ich würde meinen, dass diese auch tendenziell an schattigen Standorten liegen.

Eine Methode, die also in den meisten Fällen funktioniert: hinlegen und vergessen.
Versucht am besten für euch selbst eine Methode zu finden, die in euren 4 Wänden gut funktioniert. Und natürlich: nicht in die pralle Sonne! Die kleinen Pflänzchen sind sehr anfällig und bekommen ziemlich schnell Sonnenbrand.

Feuchtigkeit ist wichtig, besonders wenn eure Blattstecklinge schon Wurzeln gebildet haben. Ich benutze dafür immer eine Sprühflasche und benetze den Behälter sagen wir mal 1 mal pro Woche, so dass die Oberfläche einmal komplett befeuchtet wurde.

Selektieren

Nach einigen Wochen solltet ihr dann die ersten Resultate sehen können. In der Regel gibt es dann 3 Arten, wie eure Blattstecklinge sich entwickeln:

  • Idealfall: es wächst relativ schnell ein kleines Pflänzchen
  • Geht so: es wachsen Wurzeln, aber keine Pflanze
  • Doof: es passiert nichts, Blätter vertrocknen

Je nach Art gibt es da große Schwankungen. Bei Echeverien funktioniert es wie gesagt eigentlich immer sehr gut. Aber klar, man hat niemals eine 100%ige Erfolgsrate. Manchmal auch nur 30-50%, kommt immer ganz drauf an, auch wie gesund eure Blattstecklinge waren.

Wenn die Blätter beginnen zu vertrocknen und noch weder Wurzeln noch eine neue Pflanze zu sehen ist, so könnt ihr diese sofort aussortieren, da wird nichts mehr passieren.

Der große Augenblick

Im letzten Schritt müsst ihr diejenigen Pflänzchen, die schon groß genug sind und im Idealfall auch genug Wurzeln gebildet haben, einpflanzen.

Leider ist das bei mir immer der Schritt, bei dem mir die meisten Pflanzen eingehen. Entweder sind die Wurzeln noch gar nicht ausgebildet, oder das Mutterblatt ist schon komplett vertrocknet. Da hat man also oft keine Wahl mehr, sondern muss einfach einpflanzen.

Zudem muss man sich entscheiden, ob man die neue Pflanze zusammen oder getrennt vom Mutterblatt einpflanzt. Einerseits liefert ein intaktes Blatt noch Energie und Nährstoffe, andererseits kann es auch faulen und eure neuen Pflanzen „verderben“. Es ist knifflig aber möglich das Blatt abzutrennen. Probiert euch da am besten selber aus.

Beispiel: Echeveria-Blattsteckling

Folgend seht ihr einen Blattsteckling, den ich Anfang Februar 2018 aus der Schale genommen habe. Das Blatt war bereits komplett vertrocknet und das neue Pflänzchen groß genug zum Einpflanzen.

Wie ihr auf dem linken Bild sehen könnt gab es glücklicherweise schon ein paar Wurzeln. Bei so kleinen Pflanzen sind die Wurzeln aber sehr fragil und wenn man Pech hat gehen sie schon beim Einpflanzen kaputt. Also: Sehr behutsam vorgehen! Wie oben gesagt, nicht direkt in die pralle Sonne stellen und nur sehr vorsichtig wässern.

Inzwischen kann ich sie draußen auf dem Balkon halten, Sonne macht ihr nichts aus. Man kann sogar schon eine leichte Marmorierung der Blätter erkennen… juhu!

Meine Erfolgsquote ist leider bisher nicht die beste 🙂 aber man lernt ja nie aus. Ich werde euch auf dem laufenden halten.

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