Substrat/ Erde

Eine für alle – so sieht es beim Thema Erde in den meisten deutschen Haushalten aus. Dass auch Sukkulenten ihre Ansprüche bezüglich der zu verwendenden Erde haben, scheint kein alltägliches Gedankengut zu sein. Die sind doch so pflegeleicht, oder etwa nicht?

Einen Begriff solltet ihr euch zunächst merken: Substrat. Das ist ein Fachwort für das Zeug, wo eure Pflanze drin sitzt. Der Begriff ist offener gehalten als etwa Erde – Substrat kann auch mineralisch sein, dient aber immer als Erde für eure Pflanze. Einfach merken 🙂

Gutes Substrat erfüllt für Pflanzen gewissermaßen den gleichen Zweck, wie unser Brustkorb es für das menschliche Herz tut. Dort sitzt der empfindlichste Teil der Pflanze, nämlich die Wurzeln. Die Gesundheit der Wurzeln entscheidet maßgeblich über die Gesundheit eurer Sukkulenten.
Um es überspitzt zu sagen: Glaubt ihr, dass sich eine Pflanze in 5 Jahre alter, steinig-trockener Blumenerde wohlfühlt? Nö.

Herkunft der Pflanzen beachten

Überlegt einfach mal wo die meisten Sukkulenten herkommen und wie der Boden in ihrer Heimat wohl zusammengesetzt ist. Agaven etwa stammen aus Mexiko, wo die Erde sich stark von unserer handelsüblichen Blumenerde unterscheidet. Sie ist oft viel trockener, poröser und ärmer an Nährstoffen.

Zu sehen ist eine Pflanze der Gattung Agave. Sie wächst in einem trockenen Wüstengebiet, den Boden sieht sandig aus.
Agave in natürlichem Habitat.

Sukkulenten stammen meistens aus Wüsten, Steppen oder Gebirgen. Gemein haben diese Gebiete immer, dass der Boden hauptsächlich mineralisch ist. Er besteht also größtenteils aus verschiedenen Gesteinen, wie etwa Bims, Kies, Lava, Kieselgur oder Perlit.

Sukkulenten… da war doch mal was. Was bedeutet der Begriff noch gleich? Richtig: wasserspeichernd! Sie sind es also gewohnt in sehr trockenem und nährstoffarmem Substrat zu sitzen, da sie Wasser in ihren Zellen speichern können. Mit dem richtigen Substrat kommt man also ihren Bedürfnissen nur entgegen.

Funktion des Substrats

Bei Sukkulenten hat das Substrat eine wichtige Funktion: es steuert wie viel Wasser in der Erde gespeichert wird, oder eben durchfließen soll. Bekanntermaßen sind Sukkulenten sehr pflegeleicht, brauchen wenig Wasser. Es kann also ganz schnell passieren, dass sie zu viel Wasser bekommen.

Wenn man gewöhnliche Pflanzenerde benutzt und diese alle paar Tage gießen würde, so würden die Wurzeln eurer Pflanzen sehr schnell zu faulen beginnen. Die gewöhnliche Blumenerde speichert sehr viel Wasser, sie ist noch nach Tagen feucht und die Wurzeln daher auch übersättigt.

Besonders Arten wie Aloe, Haworthia oder Kakteen vertragen diese Art von Staunässe nicht. Deswegen spielt es eine entscheidende Rolle, dass das Substrat wasserdurchlässig ist.

Blumenerde ist reich an Torf

Gewöhnliche Blumenerde besteht fast nur aus Torf. Dies ist ein Material, das aus trockengelegten Mooren gefördert wird und reich an Nährstoffen ist. Es besteht aus organischen Pflanzenresten und wird in getrocknetem Zustand auch als Brennmaterial verwendet. Man spricht in diesem Zusammenhang auch manchmal von humoser/ humusreicher Erde.

Zu sehen ist ein trockengelegtes Moor, in dem in industrieller Manier Torfplatten abgebaut werden. Diese sind zum Trocknen nebeneinander gestapelt.
Industrieller Torfabbau

Blumenerde ist also auch immer an sich schon sehr nährstoffreich und hat eine eingebaute Düngefunktion. Diese Art von Erde ist nicht optimal für Sukkulenten. Wenn man vorsichtig gießt, das heißt maximal alle 1 ½ – 3 Wochen, so ist es durchaus möglich seine Pflanzen in diesem Substrat zu halten. Artgerecht ist es keinesfalls.

Der einzige Vorteil ist die o.g. Düngerwirkung. Wenn ihr also beispielsweise Sämlinge oder Blattstecklinge aufzieht, so kann der Gebrauch gewöhnlicher Blumenerde tatsächlich nützlich sein. So werden die kleinen Pflanzen schneller groß und können in einen eigenen Topf wandern – dann aber besser artgerecht.

Kakteenerde

In vielen Baumärkten und Gartencentern wird inzwischen sogenannte Kakteenerde angeboten, die scheinbar wie gemacht ist für unsere Sukkulenten. Dies ist leider oftmals nicht der Fall.
Meistens ist es bloß Blumenerde, die etwas mit Sand oder Bims gestreckt wurde, aber immer noch viel zu reich an Torf ist. Mit der Kakteenerde von Compo Cactea habe ich allerdings gute Erfahrungen gemacht bisher (auf Amazon ->). Tendenziell würde ich aber doch die professionelle Erde vom Kakteenzüchter empfehlen, wie nachfolgend gezeigt.

Zu sehen ist ein Pflanztopf, aufgefüllt mit Kakteenerde vom Kakteenzüchter. Es hat bereits mineralische Beimischungen.
Ein Topf mit Kakteenerde.

Bei professioneller Kakteenerde ist der Torfanteil von Haus aus geringer und es sind bereits mineralische Bestandteile beigemischt, wie auch im Bild zu sehen ist.

Bei mir eingesetzte Zuschlagsstoffe

Es ist immer ratsam, dass ihr die oben gezeigte Kakteenerde noch weiter mit mineralischen Stoffen versetzt. Ich persönlich habe zuhause immer eine Box mit Bimskies, Lavakies, gewaschenem Bims und Perlite; je nach Sukkulente und Ansprüchen setze ich diese Stoffe zusätzlich zu.
Auf Ratgeberseiten lest ihr oft so etwas wie „in einem Verhältnis von 50:50“ oder 30:70. Das heißt zum Beispiel 50% Kakteenerde und 50% mineralisches Substrat.


Und ja, es gibt durchaus einige Arten, die sich in rein mineralischem Substrat am wohlsten fühlen. Ich habe schon von vielen Leuten gehört, die ihre Aloen, Haworthien und Agaven beispielsweise in solch einem Substrat halten. Auch für Stecklingsbewurzelungen wird manchmal Sand als Substrat benutzen.

Mit am nützlichsten sind die sogenannten Perlite. Als ich damals zum ersten mal diesen Stoff in der Hand hatte dachte ich noch, dass es sich bei um kleine Styropor-Kügelchen handeln würde. Es sind diese kleinen weißen Kügelchen, die manchmal (sogar) unter Blumenerde gemischt werden.

Zu sehen ist eine Hand, auf der Perlit (ein feines mineralisches Gestein), das aussieht wie kleine Kugeln aus Styropor.
Perlite fühlen sich an wie Styroporkugeln.

Genutzt wird dieses Material zur Auflockerung der Erde. Stellt euch dicke, klumpige und schwere Blumenerde vor – und dann stellt euch Sand vor. Mit Perlite kann man diese Skala etwas beeinflussen, also die Erde durch Zufuhr dieses Stoffes auflockern.

Übersicht: Mineralische Zuschlagsstoffe

Mineralische Gesteine gibt es unendlich viele, es haben sich jedoch gewisse Materialien unter Kakteen- und Sukkulentenfreunden etabliert.
Unterschieden werden muss zudem zwischen Stoffen, die entweder als Zuschlag zum Substrat dienen und solchen, die als Abdeckschicht verwendet werden. Die Grenzen sind da aber teilweise fließend, da auch gerne Bims als Abdeckschicht genutzt wird.

Bims (pur)Bims (gewaschen)LavakiesPerlit(e)Sand (kalkfrei)
– porige Struktur
– geringe Dichte
– speichert Wasser
– lockert auf
– porige Struktur
– geringe Dichte
– speichert Wasser
– lockert auf
– gut zum Bewurzeln
– porige Struktur
– geringe Dichte
– speichert Wasser
– lockert auf
– gibt Mineralstoffe frei (leicht düngend)
– porige Struktur
– geringe Dichte
– speichert Wasser
– lockert auf
– speichert Wasser
– lockert auf
– gut zum Bewurzeln

Es fällt euch wahrscheinlich auf, dass die meisten dieser Stoffe sich recht ähnlich sind. Ihr müsst also im Grunde kein großes Arsenal an Zuschlagsstoffen haben, meist reicht eine Kombination von zwei unterschiedlichen Stoffen.
Bei Sand ist zu beachten, dass dieser kalkfrei sein muss. Handelsüblicher Bau- oder Vogelsand sind also tabu! Die Erfahrung durfte ich damals schon machen, da hatte ich es mit Vogelsand probiert. Ist der Sand zu kalkhaltig, so verklumpt das Substrat nach und nach und ihr erreicht das Gegenteil von Auflockerung.

Selbstverständlich gibt es noch weitere Zuschlagsstoffe. Da wären u.a. noch:

Weiterhin ist auf die Körnung der Zuschlagsstoffe zu achten. Feinere Körnungen eigenen sich gut als Beimischung, gröbere Körnungen zum Abdecken des Substrates. Da hat aber auch jeder so seine eigenen Präferenzen.

Streitfall: Seramis

So sieht das Spezielsubstrat von Seramis aus

Im Grunde ein gutes Substrat für alle Arten von Zimmerpflanzen. Hier wird anstelle von Erde eine Art Granulat eingesetzt, das einerseits Wasser speichert und andererseits für einen lockeren Boden sorgt. Ich habe Seramis ganz zu Anfang meines Sukkulenten-Hobbies auch mal probiert, bin aber nicht 100% überzeugt gewesen. Das Granulat gibt es auch nochmal speziell für Orchideen, Kakteen und co. – habe ich selbst noch nicht getestet. Die Bewertungen dazu auf Amazon -> sind ziemlich gut.

Wie bei allen mineralischen Substraten ist hier der Vorteil, dass man zum Beispiel weniger anfällig ist für Trauermückenbefall (diese fühlen sich in der Nähe von feuchter Erde am wohlsten).

Generell, ganz subjektiv gesehen, lese ich unter Sukkulentenfans sehr wenig über dieses Produkt. Es scheint nicht besonders etabliert zu sein. Es kann allerdings auch daran liegen, dass viele Leute ihr Substrat lieber selbst mischen möchten und es je nach Sukkulente genau anpassen wollen.

Damit ihr euch eure eigene Meinung bilden könnt, verlinke ich an dieser Stelle mal zwei Forenbeiträge, wo über den Nutzen von Seramis für Sukkulenten diskutiert wird. Verifizieren kann ich es selber leider nicht.

Die eigene Mischung

Ein gutes Händchen beim Mischen des Substrats zu haben kommt mit der Zeit. Bei euren Lieblingsrezepten wisst ihr irgendwann auch intuitiv und aus Erfahrung, welche Zutaten ihr am liebsten einsetzt und in welcher Menge.

Für die meisten Arten benutze ich eine Standardmischung, also etwa 40% Kakteenerde und 60% mineralisches Substrat. Bei Aloen und Kakteen mineralischer, bei Echeverien gerne erdiger.
Da macht jeder irgendwann seine Erfahrungswerte und meistens gibt es kein richtig oder falsch.

Beachtet jedoch, dass eure Pflanzen in sukkulentenfreundlichem Substrat während der Wachstumszeiten häufiger gedüngt werden müssen. Da die Erde kaum Nährstoffe liefert (wie bei Blumenerde), muss durch Flüssigdünger nachgeholfen werden.

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