Töpfe – zwischen Mode und Funktionalität

Bei der Wahl des passenden Pflanztopfes steht zunächst immer die Frage im Raum, ob es optisch ansprechend oder hauptsächlich funktional sein soll. Wenn ich mir die gängigsten Instagramer ansehe, so bekomme zumindest ich den Eindruck, dass der modische Aspekt heutzutage durchaus eine Rolle spielt.

Mir ging es ehrlich gesagt immer mehr um die Funktionalität und darum, dass es einheitlich ausschaut. Wenn man sich im Baumarkt oder Gartencenter mit Sukkulenten versorgt, so wird man mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit immer nur diese terrakottafarbenen Plastiktöpfe bekommen.
Ich find‘ die Dinger scheußlich. Ich muss dabei immer an Fabrik denken, an Gewächshäuser, an Massenproduktion… und leider auch Massenware.

Achtet beim Kauf von Töpfen generell darauf, dass sie nicht zu hoch sind. Die meisten Kakteen und Sukkulenten sind Flachwurzler, das heißt ihre Wurzeln ragen nicht so tief in die Erde (ganz besonders bei Kakteen). Ein Pflanztopf sollte außerdem immer im Verhältnis zum vorhandenen Wurzelballen stehen, nicht etwa vier mal so breit sein.

Meine anfänglichen Fehler

Als ich noch keine Ahnung hatte, was leider gar nicht mal so lange her ist, habe ich grundsätzlich alles falsch gemacht. Ich fand immer schon schwarze Töpfe am ansprechendsten, habe mir also zusammen mit meinen ersten Sukkulenten viele schwarze Übertöpfe gekauft.

Anfängerfehler – Pflanzen direkt im Übertopf

Damals wusste ich auch noch nicht, warum man die Pflanzen nicht direkt in Übertöpfe stecken sollte. Ja wirklich, warum der ganze Umstand wenn man es auch direkt in einen schicken Topf setzen kann?
Schlimmer noch, die Schandtaten sind sogar dokumentiert:

Wie ihr sehen könnt: keine Pflanztöpfe, nur Übertöpfe. Schick sah es auch aus, die Pflanzen haben sich aber nicht sonderlich wohlgefühlt. Mit dem Gießen wurde es schon kompliziert, ich konnte schließlich nie genau beurteilen, ob die Erde unten bereits trocken war oder nicht.

Drainage ist das A und O

Das Stichwort lautet Drainage; überschüssiges Wasser muss durch Ablauflöcher am unteren Bereich des Topfes ablaufen können. Wenn das nicht gegeben ist, so wird sich das Wasser im Bereich der Wurzeln stauen und eure Sukkulente irgendwann zu faulen beginnen. Nicht gut.

Der gewöhnliche Pflanztopf aus Plastik hat in der Regel vorgebohrte Ablauflöcher. Es ist also immer ratsam eure Pflanze zunächst in solch einen Pflanztopf zu setzen, bevor ihr über Optik nachdenkt.
Pflanztöpfe können aber auch schick sein, meiner Meinung nach.

Einheitlichkeit ist schick und praktisch

Ich habe mich damals dazu entschlossen all meine Pflanzen in schwarze Pflanztöpfe zu setzen. Leider war das anfangs gar nicht so einfach, denn in herkömmlichen Gartencentern und Baumärkten gibt es diese fast nur in der Farbe Terrakotta. Hier seht ihr es am Beispiel meiner Echeverien:

Irgendwann wurde ich dann aber doch fündig und habe dieses Konzept seitdem durchgezogen, heute besitze ich nur noch schwarze Töpfe. Glücklicherweise gibt es auch diese in allen möglichen Variationen. Ich würde sagen, dass 50% meiner Töpfe klassisch, also rund sind. Die andere Hälfte sind diese viereckigen Plastiktöpfe, die es meist nur beim Kakteenzüchter gibt.

Schön finde ich zudem, dass bei schlichten Pflanztöpfen die eigentlichen Pflanzen mehr im Vordergrund stehen. Schöne Töpfe sind zwar schön, lenken aber auch ganz schön ab! Zum Schluss des Artikels habe ich ein paar Beispiele zur Veranschaulichung dieses Themas gesetzt.

„Pflanztopf – und dann?“ mag sich der eine oder andere von euch fragen. Klar, man sollte das Konzept weiter spannen und für sich entscheiden, ob man die Töpfe dann noch in Übertöpfe setzt oder sich für Untersetzer entscheidet. Sonst ist eure Fensterbank irgendwann schmutzig.

Pflanztöpfe, Übertöpfe und Untersetzer

Unter Übertöpfen könnt ihr euch diese großen, mächtigen Gefäße aus Ton vorstellen, die sich immer im Außenbereich der Gartencenter zuhauf tümmeln. Weiter oben habt ihr auch Übertöpfe gesehen – also jene, wo ich irrtümlicherweise meine Sukkulenten eingetopft habe.

Ansonsten gibt es für Übertöpfe auch keine wirkliche Definition. Sie dienen einerseits dazu, dass überschüssiges Wasser aufgefangen wird und andererseits sollten sie möglichst ansprechend aussehen. Bei der Wahl der Übertöpfe habt ihr also freie Wahl.

Untersetzer sind unter Otto Normalbürgern eher selten gesehen, einfach weil Übertöpfe die gängigere Methode sind. Ich benutze nur Pflanztöpfe und Untersetzer, auch aus optischen Gründen. Ich finde, dass auch die schlichten schwarzen Töpfe optisch was hermachen, wenn man seine Sammlung einheitlich gestaltet.

Überschüssiges Wasser

Ein weiterer Vorteil von Untersetzern ist, dass ihr sofort sehen könnt falls ihr euren Pflanzen zu viel Wasser spendiert habt. Ihr könnt den Topf dann einfach kurz anheben und die Untersetzer über der Spüle entleeren. Dieser Schritt ist wichtig, denn irgendwann hat die Erde genug Wasser aufgenommen.

Bei Übertöpfen habt ihr diese Möglichkeit nicht. Man gießt quasi blind und muss sich auf sein eigenes Fingerspitzengefühl verlassen, die Wassermengen also gut abschätzen können.
Man kann natürlich die Probe machen und den Pflanztopf aus dem Übertopf heben, dann seht ihr ob sich am Boden des Übertopfes Wasser angesammelt hat oder nicht. Es ist jedenfalls ein wenig umständlicher.

Schalen, Boote, Kästen und Ampeln

Neben den altmodischen runden Töpfen gibt es heute selbstverständliche alle möglichen Variationen von Pflanz- und Übertöpfen:

  • Schalen: meist rund und flach, selten eckig – gut für Arrangements oder für den Garten
  • Boote/ Schiffe: oval geformte Töpfe ohne Drainage, schwierig beim Gießen
  • Kästen: meist für den Balkon, länglich, mit Drainage
  • Ampeln: zum Aufhängen, nicht für alle Arten geeignet

Wie und worin ihr eure Sukkulenten pflanzt ist von eurem Geschmack abhängig. Wichtig ist, dass ihr auf die Drainage achtet. Ich habe die eine runde Schale im Garten stehen, dort brauche ich auch keinen Untersetzer; das Wasser läuft in den Boden ab.

Es gibt aber auch kleinere Schalen für drinnen, die sich besonders für Sukkulenten eigenen, die in die Breite gehen. Hier am Beispiel von Graptopetalum macdougallii (rechtes Bild).

Zu Anfang habe ich es auch mal mit einer dieser ovalen Boote/ Schiffe versucht, ich fand es aber total schwierig beim Thema Gießen. Außerdem muss man entscheiden, ob man diese Gefäße mit Erde füllt und seine Pflanzen mit oder ohne eigenen Topf einsetzt. Ob und wie viel Wasser sich unten staut, unmöglich zu sagen. Also: aufpassen!

Material spielt eine Rolle

Töpfe können aus den verschiedensten Materialien gefertigt sein. Die gängigsten Materialien sind unterschiedlich, je nach Art und Zweck des Topfes gibt es Präferenzen.
Die meisten Pflanztöpfe bestehen aus Plastik, selten auch aus organischem Material – da eher im Falle von Aufzuchtstöpfen, die sich nach einem gewissen Zeitraum selbst zersetzen sollen.
Bei Übertöpfen gibt es die verschiedensten Materialien, unter anderem Ton, Stein, Beton, Metall oder Holz.

Ich habe mal versucht die jeweiligen Vor- und Nachteile des Materialtyps zu erklären anhand folgender Tabelle. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

PlastikTonSteinHolzMetall
PRO
– leicht
– wetterfest
– günstig
– alle Farben
– speichert Feuchtigkeit
– speichert Wärme
– natürlich
– günstig
– speichert Feuchtigkeit
– speichert Wärme
– natürlich
– natürlich– stabil
– besondere Formen
CONTRA
– nicht atmungsaktiv
– heizt sich auf
– korrosiv
– frost-
empfindlich
– frost-
empfindlich
– meist teuer
– kann faulen
– meist teuer
– schwer
– heizt sich auf
– kann rosten
– nicht atmungsaktiv

Luftige Spezialtöpfe

Ich habe mich letztes Jahr mal schlau gemacht und mich über alternative Arten von Pflanztöpfen informiert. Bei der Recherche bin ich zum ersten mal auf zwei Sonderformen von Pflanzgefäßen gestoßen.

Pachyphytum longifolium im Pflanzsack.
Pachyphytum longifolium im Pflanzsack auf meinem Balkon. Beitrag auf Instagram ->

Pflanzsäcke – Töpfe aus Stoff. Mir persönlich war diese Art von Pflanztopf vorher nicht geläufig, aber ich konnte gut nachvollziehen, wo der Sinn und Zweck dieser Beutel liegt.
Durch den Stoff wird eine bessere Luftzirkulation rund um die Wurzeln gewährleistet, das heißt von außen kann Luft in den Topf eindringen. Wurzeln stellen meist ihr Wachstum ein, wenn sie mit Luft in Kontakt geraten.

Normalerweise wachsen Wurzeln kreisrund im Inneren des Topfes, sobald sie am Rand angekommen sind. Durch die Luftzufuhr des Pflanzsacks soll diesem Verhalten entgegen gewirkt werden. Die Wurzeln verzweigen sich dann mehr von innen heraus, anstatt sich am Rande des Topfes zu schlängeln. Die Töpfe gibt es in verschiedenen Größen, sie sind aber eher für größere Pflanzen ausgelegt. Ich habe bisher nur die Säcke von Gronest getestet, gibt es auch auf Amazon.

Eine andere Form von Topf ist der Superoot Air-Pot, aus Plastik gefertigt. Sieht schonmal abgefahren aus, das Konzept ist dem Pflanzsack recht ähnlich. Durch die Löcher werden Wurzeln daran gehindert sich am Topfrand zu schlängeln und müssen mehr von innen wachsen. Im Idealfall sollte man durch dieses Konzept einen kräftigeren Wurzelballen haben. Wenn ihr euch informieren möchtet, schaut auf die Webseite des Herstellers. Auf Amazon gibt es inzwischen vereinzelte Händler, die diesen anbieten.

Aeonium, das in einen Air-Pot gepflanzt wurde.
Hier ein Aeonium, das ich in den Air-Pot gepflanzt habe. Beitrag auf Instagram ->

Ich habe beide Arten bereits getestet und werde hoffentlich bald einen zusätzlichen Blog mit meinen Erfahrungen dazu verfassen. Ihr könnt mit dem klassischen Pflanztopf aber auch nichts verkehrt machen, er hat sich schließlich über Jahrzehnte etabliert.

Empfehlungen

An dieser Stelle würde ich euch gerne zwei externe Instagramer vorstellen, die bei ihrer Topf-Philosophie ganz unterschiedliche Wege gehen.

Zum einen der Kanal von @thepottist – wunderschöne, in Handarbeit gefertigte und ausgefallene Übertöpfe (ob mit oder ohne Drainage kann ich nicht beurteilen). Und obwohl diese Töpfe sehr viel Aufmerksamkeit ziehen, so ergänzt das Design bei passender Wahl der Sukkulente das Gesamtbild und lenkt nicht unbedingt von der Pflanze an sich ab.

Von der schlichten Fraktion: @cactoponi.
Hier steht bei der Wahl der Pflanztöpfe eindeutig der Aspekt der Funktionalität im Vordergrund, zudem sieht es einheitlich aus. Schick ist auch, wenn man immer das gleiche Material als Abdeckschicht benutzt. Die Pflanzen stehen immer im Vordergrund, der Topf wird quasi vom Auge ignoriert.

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