Wachstums- und Ruhezeiten

Wachstum nach Jahreszeiten

Das Wachstum eurer Sukkulenten richtet sich stets nach den jeweiligen Vegetationszeiten, die sie in ihrer ursprünglichen Heimat geprägt haben. Kompliziert wird es wenn man bedenkt, dass die Jahreszeiten sich von Kontinent zu Kontinent durchaus unterscheiden.

Auf der anderen Seite der Weltkugel ist Winter, wenn bei uns Sommer herrscht. Das manifestiert sich bei den meisten Sukkulenten aus Afrika so, dass sie während des europäischen Winters in ihrer Heimat Sommer hätten.

Sommer in anderen Teilen der Welt heißt jedoch nicht gleich, dass sie wachsen ohne Ende. Oft ist eher das Gegenteil der Fall, denn in trockeneren Wüstengebieten gibt es kaum bis gar keinen Niederschlag während der Sommermonate. Bei geringeren Wassergaben werden die Pflanzen in einen Energiesparmodus versetzt. Mehr zu diesem Thema im Artikel Gießen.

Frühlingserwachen

Für uns am einfachsten greifbar ist das pflanzentypische Frühlingserwachen. Das heißt in der Regel, dass Pflanzen und auch Sukkulenten instinktiv spüren, wenn die Anzahl der Sonnenstunden nach dem Winter wieder steigt und sich die Temperaturen dauerhaft anheben.

Viele Arten, wie etwa die Wüstenrose, werfen schon im Herbst ihre Blätter ab um in Ruhezeiten weniger Energie zu verbrauchen. Bei Frühlingsanfang beginnt dann das erneute Wachstum, erste neue Blätter sprießen. Im Grunde muss ich dieses Phänomen gar nicht groß erklären, ihr seht es eigentlich sofort wenn die Sammlung wieder zum Leben erwacht 😉

Sommerperiode

Der größte Unterschied zwischen Frühling und Sommer, im Bezug auf Pflanzen, ist der Unterschied in Temperatur und Sonnenstunden. Im Frühling ist das Wetter oft noch wechselhaft, die Temperaturen sinken teilweise noch bis zum Nullpunkt und es regnet häufiger.

Im Sommer sind die Temperaturen tendenziell stabiler, es gibt mehr Sonnenstunden und man kann die meisten Sukkulenten auf den Balkon auslagern, sofern einer vorhanden ist.
Dementsprechend wachsen die Pflanzen nochmal anders als im Frühling.

Herbstzeit

Der Herbst ist je nach Art der Sukkulente sehr unterschiedlich im Hinblick auf Wachstum. Die größten Unterschiede habe ich in meinem Fall bei den Euphorbien festgestellt. Die meisten Arten stellen bereits zum Oktober ihr Wachstum ein und wechseln langsam in die Ruhephase.

Man kann den Herbst gut als Übergangszeit bezeichnen – das Wachstum wird nach unten reguliert, man gießt weniger (da die Sonne auch weniger scheint, es nicht mehr so warm ist) und die ersten Blätter werden bei vielen Arten abgeworfen.

Winterruhe in reiner Form

Nun folgt die anspruchsloseste und gleichzeitig anspruchsvollste Jahreszeit. Der Winter.
Ich habe meinen ersten Sukkulenten-Winter unterschätzt, viele Pflanzen sind vergeilt oder auch gar nicht aus dieser Periode gekommen.

Ich würde euch empfehlen für jede einzelne Gattung/ Art zu recherchieren, welche Bedingungen fürs Überwintern optimal sind. Bei Kakteen kennt man das Spiel:

  • Kein Wasser
  • Kein Dünger
  • Temperaturen zwischen etwa 5 – 10°C
  • Trotzdem ausreichendes Licht

Das klingt einfach, aber diese Bedingungen muss man erstmal schaffen. Profis haben richtige Winterquartiere für ihre Kakteen, bei denen diese Faktoren vollends erfüllt werden können. Das sind beispielsweise Kellerräume oder Dachgeschosse, die nicht beheizt sind und mit zusätzlichen, speziellen LED-Lampen ausgestattet werden. Hier eine Variante auf Amazon.

Falls ihr gut Englisch sprecht oder zumindest verstehen könnt, würde ich euch folgendes Video von Desert Plants of Avalon empfehlen:

Winterruhe light

Glücklicherweise sind nicht alle Arten von Sukkulenten so anspruchsvoll bei der Winterruhe.
Am einfachsten ist bei etwa bei Wüstenrosen – Adenium obesum zum Beispiel, den meisten Euphorbien oder bei Bromelien und deren Verwandten.

Diese Sukkulenten halten nur teilweise Winterruhe. Ihr solltet möglichst vorsichtig gießen, das heißt wirklich nur alle 2-3 Wochen oder die Wassermengen zumindest stark reduzieren. Der Wurzelballen sollte nicht über längere Zeit trocken sein, sonst könnten die Pflanzen auch Schaden nehmen.

Die erforderlichen Temperaturen fürs Überwintern der o.g. Sukkulenten gestalten sich einfacher. Die einzige Vorgabe ist in den meisten Fällen, dass die Temperaturen nicht unter 15°C sinken dürfen. Sonst würden diese Pflanzen Schaden nehmen.

Überwinterung in der Wohnung

Gehen wir mal vom typischen Sukkulenten-Sammler aus, der vielleicht keine Möglichkeit hat ein gesondertes Winterquartier für die eigenen Pflanzen zu schaffen.
Wenn ihr einige Maßnahmen beachtet, so sollte es kein Problem sein seine Sukkulenten gesund durch den Winter zu bekommen. Hier noch ein hilfreicher Artikel von Zimmerpflanzen-FAQ.de.

Vielleicht schlaft ihr gerne kühl und euer Schlafzimmer ist nur mäßig beheizt im Winter? Optimal zum Überwintern der Sukkulenten. Achtet nur darauf, dass sie genügend Sonnenlicht abbekommen, sonst besteht die Gefahr des Vergeilens.

Wenn ihr diese Möglichkeit nicht habt und die Pflanzen quasi auf den gewöhnlichen Fensterbänken durchkultiviert werden, so müsst ihr die Wassergaben auch entsprechend anpassen. Wenn die Luft in euren Räumen, was im Winter gerne mal vorkommt da man seltener lüftet, schön warm und trocken ist, so müsst ihr genug gießen.

Warum überhaupt überwintern?

Vielleicht fragt sich der eine oder andere bei der Komplexität dieses Themas auch: Warum der ganze Aufwand?
Bei Oma wächst der Schwiegermuttersitz auch tadellos, obwohl sie garantiert nichts über Ruheperioden oder das korrekte Gießverhalten weiß. Stimmt, man kann es sich natürlich auch einfacher machen und in den meisten Fällen gedeihen eure Sukkulenten trotzdem.

Die Frage ist ob ihr den Anspruch habt, eure Pflanzen artgerecht halten zu wollen und dementsprechend die natürlichen Vegetationszeiten nachzubilden versucht.
Ich kann es auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dafür habe ich zu wenig Erfahrung. Ich habe aber aus verschiedenen Quellen gehört, dass es sich zum Beispiel negativ auf das Blühverhalten eurer Sukkulenten auswirken kann, wenn es quasi gar keine unterschiedlichen Wachstumsperioden mehr gibt.

Sukkulenten sind es, trotz eventueller jahrzehntelanger Kultivierung in diesen Breitengraden, von ihrem natürlichen Rhythmus her gewohnt, dass es diese Perioden gibt. Im Winter verbrauchen die Pflanzen weniger Energie, im Frühling wird dagegen viel Energie in neues Wachstum investiert.

Auch das Ausbilden der Blüten kostet Pflanzen in der Regel viel Kraft. Bei Kakteen wundert man sich oft, dass sogar kleinere Exemplare relativ große Blüten ausbilden. Bei Echeverien sind es Blütentriebe, die teilweise 30cm lang sind und über Monate blühen. Dass das viel Energie kostet ist selbsterklärend.

Sonderfall: Aeonium

Bei meinen eigenen Aeoniums habe ich beobachtet, dass diese während des Sommer oftmals in eine Art Ruhephase gehen. Es könnte an der geografischen Nähe ihrer Heimat liegen, meist die kanarischen Inseln, da die Jahreszeiten noch recht ähnlich zu unseren sind (von den Temperaturen mal abgesehen).

So richtig aufblühen wollen sie meistens erst im späten Herbst, wenn alle anderen Sukkulenten sich allmählich zur Winterruhe aufmachen. Diese Wachstumsperiode setzt sich meist den ganzen Winter hindurch fort und endet gegen Mitte/ Ende des Frühlings.

Wenn man bedenkt, dass es auf den Kanaren im Sommer sehr trocken und heiß ist, so macht es Sinn, dass die Pflanzen ihr Wachstum einschränken. Im Winter hingegen ist es dort immer noch warm, aber reicher an Niederschlägen – die Wachstumsbedingungen sind besser.

Anfälligkeit für Schädlinge

Während der Wintermonate sind viele Pflanzen besonders anfällig für Schädlinge. Das kommt einerseits daher, dass die Pflanzen im Energiesparmodus sind, andererseits durch geringere Aufmerksamkeit seitens des Pflegepersonals 😉

Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich sogar im Winter sehr viele Fälle von Wolllaus-Befall hatte. Fragt mich nicht woher diese Biester immer wieder aus dem Nichts erscheinen, sie tun es leider einfach. Es ist ein Mysterium.

Das Problem ist, dass man im Winter nur selten auf die Fensterbank guckt. Verständlich, schließlich passiert in dieser Jahreszeit relativ wenig, abgesehen vom Weihnachtskaktus (Schlumbergera) oder dem Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).

Wenn man also tatsächlich einen Schädlingsbefall hat, so dauert es in der Regel deutlich länger bis man diesen bemerkt. Bei Wollläusen im Speziellen kann dies zu einem wirklichen Problem werden. Wenn man diesen nicht sofort bemerkt, so breiten sich die Läuse rasant über die benachbarten Pflanzen hinweg aus.

Winterharte Sukkulenten

Pflanzen, die ganzjährlich draußen kultiviert werden können, so etwa Sempervivum (Hauswurz, Dachwurz), haben wiederum andere Ansprüche. Hier kann man auch sehen, dass sich diese Pflanzen an die o.g. Perioden halten – da sie aber frosthart sind, muss man sich hinsichtlich der Pflege nicht sonderlich anstrengen.

Im Schrebergarten meiner Eltern etwa stehen seit letztem Sommer zwei Schalen mit verschiedenen Sempervivum– und Sedum-Arten. Diese benötigen kaum Pflege und sind sehr dankbar. Wenn es im Sommer mal längere Zeit trocken ist darf man schon gerne mal nachgießen, die Pflanzen passen sich aber in der Regel an.

Im Winter muss man sich gar keine Sorgen machen. Schnee und eisige Temperaturen machen ihnen in der Regel nichts aus. Zwar stellen auch diese Pflanzen ihr Wachstum in dieser Phase ein, sie kommen jedoch pünktlich zum Frühling wieder in voller Pracht zurück.

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